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Der Hecht meines Lebens

So jetzt sitze ich hier, schaue mir die Bilder von meinem „Vatertagstrip“ an und überlege mir, wie ich euch am besten den kompletten Tag veranschaulichen kann.

Eins sage ich vorweg: Ich bin immer noch total geflashed und ich hoffe ich kann euch mit meiner Euphorie begeistern 🙂

Ich muss mal ein bissl weiter ausholen… Carsten von Lurenatic und ich haben uns das Wochenende vor „Vatertag“ kurzerhand entschlossen, dass wir mal wieder zusammen fischen wollen. Nach einigen Telefonaten haben wir uns entschieden auf Hecht zu fischen und nur kurz, falls wir die Barsche im „Tannenbaum-Schwarmverhalten“ erwischen die kleinen Baits auszupacken.

Da ich mir vor ein paar Wochen die Palms Molla MSGC-74XHM zum Swimbaitangeln (und Jerk-Leiern) zugelegt habe hab ich Carsten vorgeschlagen, dass wir der Gerte mal auf den Zahn fühlen. Dazu mussten die Gan Craft Jointed Claws 178 herhalten.

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Hier der Shoplink dazu: http://www.lurenatic.de/de/wobbler/swimbaits/gan-craft-jointed-claw-179.html

Ich weiß, die Teile sind nicht ganz günstig und einige werden sich jetzt bestimmt an den Kopf fassen, aber Qualität kostet nunmal und von der bin ich spätestens nach letztem Donnerstag mehr als überzeugt. Ich liebe die Teile mittlerweile, weil sie mich zum Fisch meines Lebens (wie ich glaube) geführt haben, aber dazu gleich mehr.

Der Plan war ein paar Runden an meinem Hausgewässer zu schleppen um dann einige vielversprechende Spots abzuwerfen.

Nun wieder zurück zum eigentlichen zeitlichen Ablauf. Nachdem klar war, dass wir Donnerstagmorgen so gegen neun Uhr mein Boot anhängen wollen hab ich (natürlich, wie auch sonst?) noch einige Bestellungen platziert, damit mir Carsten das Tackle direkt am Donnerstag mitbringen kann. Unter anderem zwei neue Ruten (Palms Baymatic) und noch einige neue Baits.

Nachdem ich Carsten gefühlte 300 Mal an meine Bestellung erinnert habe ist er Donnerstagmorgen gegen halb acht losgeeiert Richtung Nordhessen, während ich noch gemütlich mit meiner Frau und meinen beiden Kindern gefrühstückt habe. Tolle Geschenke habe ich von meinen Lieben natürlich auch bekommen 🙂

Kurz vor neun habe ich dann mit Carsten telefoniert und er hat mir erzählt, dass irgendwie an diesem Morgen alles ziemlich hektisch für ihn war. Da hatte ich schon eine bööööse Vorahnung. Kurz nach dem Telefonat kam Carsten dann um die Ecke gefahren. Nach einer kurzen Begrüßung wurde direkt das Boot angehangen, denn wir waren beide schon heiß wie Frittenfett.

Weil wir mit einem Auto an mein Hausgewässer fahren wollten wurde Carstens Tackle noch kurz umgeladen. Als Carsten mir eine Tüte mit den Worten „Hier sind deine Baits“ in die Hand gedrückt habe hab ich mich natürlich wieder wie ein kleines Kind gefreut, aber HALT, wie denn „nur“ Baits? „Ääähh Carsten, wo sind meine beiden Baymatics?“ … daraufhin dieser leere, schockierte Blick.. „ähm ja, fuck,…….. die hab ich im Flur stehen lassen, weil ich mich so beeilen musste“
Aber ich bin ja nicht blöd, ich hab mir sofort gedacht, dass Carsten mich nur verarscht, weil ich ihn ja mindestens drei Quadrillionen Mal auf die Nerven gegangen bin, dass ich die Teile direkt mit aufs Boot nehmen wollte. Ich hab gelacht und ihm direkt gesagt, dass er mich nicht verarschen braucht… aber irgendwas war da echt faul… mit einem leicht gereiztem Ton hab ich meine Frage wiederholt, ob er mich verarschen wolle… nein wollte er nicht. Da meine Vorfreude so dermaßen groß wegen der Ruten war (ich bin von den Mollas so begeistert, dass ich die Baymatics auch mal auf Herz und Nieren testen will) hab ich erstmal für kurze Zeit ´nen Hals geschoben. Aber hey… das kann ja jedem Mal passieren und deswegen hab ich dann einfach auf das Wobbler twitchen (was ich eingangs noch nicht bei unserem Plan erwähnt hab, weil ich der Story nicht vorzugreifen wollte) verzichtet und mich ganz und gar auf das Swimbait-Fischen konzentriert. Ich wollte ja auch nicht den schönen Angeltag versauen, wenn Carsten mich schonmal besuchen kommt.

Wenigstens ging ab diesem Zeitpunkt nichts mehr schief. Das Boot wurde betackelt und geslippt und unser Plan ins in die Tat umgesetzt. Erstmal am Echolot rumspielen, die Wassertemperatur Checken (18,3°C) und gemütlich mit rund 2,5 km/h die Swimbaits (Gan Craft Jointed Claw) schleppen. Ich habe die Farben „NO Ayu“ und „Flashing GM Chartreuse“ montiert. Mein Plan war die Köder zwischen 40-50m hinter dem Boot zu präsentieren. Ich hab den Lauf dann auf ca. 1-1,5m tief geschätzt, was perfekt in meine Vorstellungen gepasst hat. Da mein Hausgewässer sehr viel (flache) wechselhafte Struktur zu bieten hat haben wir uns vorerst auf die Stellen zwischen 1,5-3,5m Wassertiefe beschränkt. Carsten hat an seine Schlepp-Rute vorerst einen Gummi-Swimbait montiert und mit der zweiten Rute schonmal etwas geworfen (Gummi am Offset). Ziel war es einfach erstmal das Boot zu entscheiden und dann mal schauen was als Bonus noch so geht.

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Die letzten zwei Wochen hab ich nicht gar so positive Rückmeldungen von meinen Kumpels zu den Fängen bekommen, daher hab ich mich auf einen „harten Kampf“ eingestellt, was aber wider Erwarten gar nicht eintreffen sollte. Ich hab direkt nach den ersten 25 Min gemütlichen Schleppens den ersten schönen Hecht im Drill gehabt. Puuh, was ein Start… der Hecht hatte ca. Mitte-Ende der 70 erreicht und war ein wirklich guter Kämpfer. Die Farbe „NO Ayu“ hat zugeschlagen.

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Die Hände riechen nach Fisch, das Boot war entschneidert und alles was jetzt noch kommen sollte ist „Bonus“… wir waren ab diesem Zeitpunkt schonmal etwas „gechillter“, wie es ja neudeutsch so heißt 🙂

Wir haben dann noch ca. eine Stunde ohne nennenswerten Kontakt weitergeschleppt und uns dann dafür entschieden doch lieber etwas zu werfen. Wir genossen das schnieke Wetterchen und der neue Plan war uns an den Krautfeldern, die an den Plateaus schon teilweise bis knapp unter der Wasseroberfläche standen, die Swimbaits und Gummis am „versenkten“ Offset-Haken im oder neben den Krautfeldern zu fischen. Zu Beginn der Tour war noch etwas mehr Wind zugegen, zu dem Zeitpunkt des Werfens hatte der Wind etwas abgeschwächt, sodass wir eine perfekte langsame Drift hatten. Wir konnten mehrere 100m am Stück durchdriften und viel Flachwasserbereich abfischen. Ich hab noch gar nicht erwähnt, dass ich die ganze Zeit dem Köder, der den ersten Hecht gebracht hat, treu geblieben bin.

Wir haben uns gerade über die aktuellen Neuigkeiten bei Lurenatic unterhalten, als das Unfassbare passiert.

Wir die letzen ca. 50 Würfe zuvor auch schon habe ich meinen Köder ausgeworfen und bevor ich mit dem Einholen begann ein paar Sekunden absinken lassen, damit er genau an der „Krautnarbe“ eines Krautfeldes seine Bahnen zieht (geiler realistischer „S-Lauf“). Nach ca. 10-15m Schnur-Einkurbeln kam der Biss, kein spektakulärer Einschlag, sondern vielmehr ein Biss bei dem man kurz nach dem reflexartigen Anhieb den mächtigen, ach was, URGEWALTIGEN Körper des Fisches gespürt hat. Mein erster Satz zu Carsten „Ey geil Carsten, da haben wir den Meter!!!“. Da das Wasser nicht tief war (ca. 2m) und ich den Fisch, wie jeden anderen Fisch auch, im Drill recht deutlich forciere hab ich den ersten Umriss nach wenigen Sekunden gesehen…ab diesem Zeitpunkt an wurden mir wirklich die Knie etwas weich… gut, dass ich auf meinem Bootsstuhl gesessen habe. Was da jetzt am anderen Ende kämpft war echt ein würdiger Gegner und mir war zu diesem Zeitpunkt sofort klar, dass es sich um einen sehr guten Fisch handelt. „Carsten mach mal den Kescher klar, bitte… das ist wahrscheinlich doch die 120er Omi“ war der Satz, den ich rauswürgte, als er das erste mal Schnur von meiner fast geschlossenen Rollenbremse riss. Ich hatte den Fisch glücklicherweise schnell wieder unter Kontrolle und auch schon recht nah am Boot, als nochmal eine blitzartige Flucht unters Boot begann. Die „Swimbait-Molla“, wie ich sie mittlerweile liebevoll nenne, hat aber wirklich eine sensationelle Aktion, sodass die Flucht mit einem schönen „Nicken“ der Rute abgefedert wurde. Mit dem E-Motor ein wenig mitgearbeitet war der Fisch nach sehr kurzer Zeit kescherbereit. Als der Fisch über dem XXL Kescher war wurde mir das erste Mal so richtig bewusst, was ich da für einen ENDGEGNER an der Rute hatte. Boah was für ein Schädel und wie Fett die Mutti ist… „Carsten, den kann ich nicht in mein kleines kippanfälliges Boot heben, der Fisch ist viel zu schwer und zu groß…“ Da wir nur ca. 50 Meter vom Ufer entfernt waren hab ich spontan entschieden kurz anzulegen, denn da können wir den Fisch wesentlich ungefährlicher behandeln. Das wichtigste ist mir den Fisch nicht zu verletzen, daher wurde der Fisch im Kescher belassen und vorsichtig an Land gebracht. Ich hab schnell die Schuhe ausgezogen und bin ins Wasser gegangen. Carsten war so gut wie sprachlos (was man nicht oft erlebt), als ich ihn bat meine Jointed Claw mit mir aus dem Maul zu holen (Carsten sollte nur den Oberkiefer stoppen, wenn die Oma zubeißen will, denn ich musste trotz langer Zange die Faust bis übers Handgelenk mit in das Maul stecken um den Haken zu lösen). Die Haken saßen gut (der Köder wurde durch den Festen Biss des Räubers nur schraubstockartig festgehalten, lediglich eine Flunke des Drillinges hing), sodass der Fisch alles unbeschadet überstand. Der Schädel des Fisches war gewaltig…

„Carsten gib mir mal bitte das Roll-Maßband da drüben im Boot, bzw. halt das mal kurz dran“… dann kam irgendwie sowas wie „Ernüchterung“ in Carstens Gesichtsausdruck „Alex, ich glaube der Fisch ist nicht so groß wie erwartet… das Maßband ist doch „nur“ einen Meter lang (das war bestimmt der Schock)… ich dachte an diesem Tag das zweite Mal ganz ernsthaft darüber nach, ob Carsten mich verarschen wollte 😀 … das Roll-Maßband ist 120cm lang und es hat NICHT gereicht… nicht mal annähernd… da ich den Fisch per Kiemendeckelgriff „vertikal“ mit Unterstützung der zweiten Hand hielt hat Carsten das Maßband angelegt… „jow Alex, oben passt das“ Alex: „Alles klar, dann schau du mal unten wie lang der Fisch ist“, gesagt, getan, aber ups „Äh Carsten das Maßband reicht nicht und der Fisch biegt sich auch noch etwas durch…“, aber da mir das dann alles zu lange gedauert hat und uns beiden das Wohl des Fisches mehr am Herzen lag, als ein genaues „Schwanzvergleich-Zentimeterergebnis“ haben wir nur grob mit dem Finger angehalten und das Maßband weitergezogen… naja was soll ich sagen… der Fisch war deutlich über 130cm, aber ob es nun 134, 136 oder 138cm waren – keine Ahnung und ehrlich gesagt mir ist es auch egal. Wenn man so einen geilen Fisch einmal gefangen hat weiß man es zu schätzen was man da vor sich hat, deswegen lasse ich hier einfach mal Bilder sprechen von der 20kg+ Mutti! Geiler und vorallem gewaltiger Fisch und die Zauberwörter heißen „NO Ayu“ 😀

 

Ich bin bis heute (Sonntag) immernoch völlig platt von dem Fisch… meine Frau hält mich bestimmt für völlig bescheuert (spätestens, als ich ihr erzählt habe, dass ich von dem Fisch bzw. von dem Drill eine Nacht danach noch geträumt habe). Claudio, mein Teamkollege hat zu mir gesagt: „Alex, das ist vielleicht der Fisch deines Lebens (Oh ja, davon bin ich überzeugt), da reicht es nicht einfach ein Bild bei Facebook hochzuladen. Schreib doch mal einen kurzen Bericht, wo du einfach mal deine „Emotionen“ vermittelst“ Ja und damit hatte er Recht. Also danke für den Anstupser Claudio.

So, der Tag war ja noch nicht zu Ende… und wenn es läuft, dann läuft es auch. Ich konnte mit der gleichen Taktik noch zwei weitere 80+ Hechte fangen, von denen ich aber jetzt keine Bilder mehr gemacht hatte, wozu auch? Ich war ja schon echt positiv „bedient“.

Als wir dann den Tag gegen 16:00 Uhr beenden wollten und noch so ca. 20-30 Minuten zurück zur Slippstelle geschleppt haben hab ich sogar noch einen Zander ans Band bekommen. Ich möchte hier erwähnen, dass das definitiv nicht meine Absicht war (wir haben im 2,5m tiefen Wasser geschleppt), der anhand seiner Farbe eindeutig als „Nestbewacher“ zu identifizieren war, deswegen habe ich den Zander direkt im Wasser abgehakt (Schonzeit bis Ende Mai).

Und natürlich biss auch dieser Fisch auf den „Muttibezwinger“ von Gan Craft. Unglaublich, was an diesem Tag passiert ist… man wir haben einfach das geilste Hobby der Welt!!! Nochmal ein besonderes Dankeschön an Carsten für die geile Tour und bei der Unterstützung beim „Versorgen“ der Fische.

Nochmal ein kleiner Appell an die Angelnation: Scheißt auf den „Leistungsdruck“/„Schwanzvergleich“ untereinander. Freut euch über jeden Fisch und denkt nicht, dass es wichtig ist, ob ein Fisch 89 oder 90cm, 99 oder 100cm, 132 oder 138cm groß ist. Ich kann verstehen, dass die „Metermarke“ zu knacken immer etwas Besonderes ist (ja auch ich freue mich da vielleicht ein klein wenig mehr), aber feiert einfach eure Fische, jeden! Und vor allem geht nachhaltig und gescheit mit den Tieren um.

Die abschließenden Worte: Ich liiieeeebe es, wenn ein Plan funktioniert, yeeehaaaaaa!!!!

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Liebe Grüße Alex